DAS PANTHEATER iN HASELDORF



28.05.12
Hochverehrtes Publikum!

Wir bereiten neue Projekte vor - Theater, Filme, Lesungen, Musik - Über besondere und seltsame und normale Menschen, über Städte wie Dar es Salaam und Hamburg, über die Frage, wo ein Mensch zuhause ist in einer global kommerzialisierten Welt und wohin er sich sehnt.

Robinson Crusoe verschlug bekanntlich ein Unglück auf eine einsame Insel, bis er nach vielen Jahren gerettet wurde und wieder nach Hause konnte - in die Zivilisation. Im Alter glaubt er dann plötzlich zu erkennen, dass diese Insel sein eigentliches Zuhause war und er will dorthin zurück. Aber er findet diese Insel nicht wieder.

Wir waren auch weg. Aber nur kurz, sehr kurz. 10 Tage lang Marokko. Spottbillig. Peinlich, das macht man nicht. Das ist gegen unsere Überzeugung und gegen die berechtigten Einwände unserer Freunde von Greenpeace, das ist unökologisch, das ist Kommerzscheiße. Haben wir aber trotzdem gemacht…..Hier nun ein kurzer Bericht voller Touristenklischees, in dem aber doch ein echtes Märchen steckt.

Schon im Flugzeug gibt man sich locker und ist schmerzfrei, wie die Stewardess sagte, auf Wunsch werden die Fußballergebnisse durchgesagt. Dann im Süden Marokkos, wo wir waren, hält sich der Massentourismus in angenehmen Grenzen, die Strände sind überwältigend schön, das Meer ist blau und mächtig, die Berge leuchten rot im Sonnenuntergang. Es fahren vergleichsweise wenige Autos, man sieht auch noch Leute auf Eseln reiten und einsam träumende Ziegen- und Schafhirten in der steinig kargen Landschaft, eine Tagesreise weiter beginnt die Sahara.

Die Einheimischen sind freundlich, sprechen neben Berberisch und Arabisch auch Französisch, viele Englisch, manche Deutsch oder Spanisch. Die Männer tragen Burnusse oder Kaftane, manche mit seltsamen Zipfelkapuzen, oder Anzüge oder Jeans und Hemden und Hüte oder Baseballkappen. Die Frauen sind in bunte Tücher gewickelt, manchmal zeigen sie ihr Gesicht, manchmal nicht, manche tragen Burkas, die nur die Augen oder die Brille der Frau sehen lassen, andere tragen Jeans und Tops. Der Gedanke daran, dass man in Frankreich die Polizei ruft, wenn eine Frau eine Burka trägt und in Deutschland Lehrerinnen keine Kopftücher tragen sollen, lässt plötzlich erschaudern. Ist das nicht schon paranoid? Alles scheint dort in diesem Marokko, wo wir kurz waren, möglich zu sein, erscheint bunt und tolerant und sehr friedfertig. Die Frauen wirken selbstbewusst, mit offenem Blick auch aus dem Burkaschlitz, wirken bei sich, im Gegensatz zu den meisten Europäerinnen, die eher immer außer sich wirken. Die Männer wirken sanft und sicher, im Gegensatz zu den meisten Europäern, die irgendwie immer irgendeine Behauptung von sich demonstrieren. Diese Souveränität der marokkanischen Frauen und Männern erlaubt Ihnen, spontane Gefühle oder Einfälle ohne Umschweife und Verstellung auszudrücken, was irgendwie fantastisch ist. Jedenfalls gehen Männer und Frauen in Deutschland dafür in Theaterkurse, um auf diesem Umwege das Fantastische am Natürlichen wieder zu entdecken, meist ohne Erfolg. Es gibt da ein Geheimnis zu erkunden in Marokko, etwas, das wirklich anders ist als in Deutschland.




Fünfmal am Tag ruft der Muezzin. Der Ruf des Muezzin weckt eine Vorstellung vom alten Marokko vor der Kolonialisierung, als der Europäer dort ein Reisender war, der Menschen begegnete, die in einer unendlichen steinigen Weite lebten, am unendlich anrollenden Meer, in einer großen Stille, die die Rufe der Esel und Kamele und der Gesang der Vögel in den Gärten der Oasen bestätigten. Die Städte waren gebaut in den Farben der Landschaft, die gemalten Farben und bunten Mosaike darin: Kunst. Die Gemeinschaft der Menschen feierte sich in Liedern und Tänzen und im Gespräch beim Teetrinken, die Kriege waren hart und grausam, aber Mann gegen Mann, die Liebe war sehnsüchtig und leidenschaftlich, aber sie hatte einen Rahmen. Das Rätsel des Seins in der Welt, das unerklärliche, schreckliche, wunderbare Sein im Licht der Tage und in der Dunkelheit der Nächte, hatte seinen menschlichen Ausdruck im Gebet. Gott ist groß, singt der Muezzin fünfmal am Tag.

Diese Vorstellung ist natürlich falsch, ein Klischee, jedenfalls ungenügend. Und "Gott ist groß" meint für den gemeinen atheistischen Touristen ja nur, dass Vieles dieser Welt und des Alls noch unerklärlich ist und für den vollends dem mechanischen Weltbild Verfallenen nur einen altmodischen Ausdruck von Unwissenheit, die sein Erklärungssystem weitgehend behoben hat, das auch die Reste des Unbekannten bald beseitigen wird.

Aber warum hat dann dieser Tourist schon gleich bei der Rückkehr Sehnsucht nach der nächsten Reise "in die Sonne", wie er es nennt. Warum empfindet er seine Welt voller Maschinen und überdimensionierter Strassen, voller Beleuchtung, die ihm das Sternenlicht verdunkelt, die Unmenge Schilder, die Masse der individuellen Einzelhäuser aus dem Katalog und die postmoderne Stillosigkeit der Städte, die in Rechtecke zergliederte Landschaft, seine zur Beziehungen verkommene Liebe zu anderen Menschen, seine zur Freizeitbeschäftigung verkommene Erotik in der allgemeinen kommerzialisierten Pornographie der Werbung und der ebensolchen anderen Medien, seine permanente Beschäftigung mit sich selbst- als trostlos?

In einem ansonsten sehr bemüht witzigen Reiseführer stand bemerkenswerter weise, dass der Marokkaner im Allgemeinen die technologische Überlegenheit Europas anerkennt, den Europäer aber sonst eher für dumm hält. Nachgefragt bestritten dies die höflichen Marokkaner selbstverständlich, die Ahnung aber, dass sie dieses vielleicht doch denken und damit recht hätten, erleichterte uns irgendwie, als fielen die Mühen der Verstellung von uns ab.

Möglicherweise ist ja der gemeine Marokkaner deshalb klüger als der gemeine Deutsche, weil er fünfmal täglich daran erinnert wird, dass Gott groß ist. Alle, die bei dem Wort "Gott" Pickel kriegen, könnten sich, wenn sie wollen, dieses Wort leicht als die Ideen und die Gefühle übersetzen, die in jeder Pflanze und in jedem Tier und in jedem Menschen stecken. Dieses Bewusstsein von einer Idee und einer Empfindung, die größer ist als jede Meinung, schafft Gemeinschaft, eine weite, großzügige Gemeinschaft, die Luft lässt zum Atmen, anders, als die Masse derer, die fünfmal täglich über Börsenkurse informiert wird und so unbewusst ihr Gebet verrichtet: Großer unbegreiflicher Dax, der Du mein Leben definierst, gib mir was ab, mir, mir-.

PS. Irgendwie fantastisch ist aber auch, dass ein Flugzeug aus Europa nach Marokko fliegt, das die Energie, die es zum Fliegen braucht, aus reinem Licht erhält, eine Idee, die bisher nur die Pflanzen verwirklichten. Und so steckt dann doch in jeder Kultur märchenhaftes. Das Wesen des Lichts, seine Natur, bleibt dem Menschen rätselhaft, aber er kann sich ihm nähern, auf geistigen und technologischen Wegen. Das echte Märchen ist universell.



31.7.11
Hochverehrtes Publikum!

vor dem Büro des PANTHEATER´s ist der alte Deich, der früher ganz alleine die Marsch vor den Fluten schützen sollte. Der neue Deich ist höher und weiter vorne an der Elbe. Der Deich ist höher, denn das Elbgebiet wurde enger und das Wasser also höher, weil die Deiche näher rückten. Die Elbe wird außerdem bis zum Hafen immer tiefer gemacht, so wird die Strömung immer stärker ( Siehe WWF ).
Die Elbe wird tiefer gebaggert, damit immer größere Schiffe immer mehr transportieren können. Immer mehr, immer mehr "bis der weiße Mann merkt, dass man Geld nicht essen kann."
"Im Boot des Kapitalismus fahren wir auf den Abgrund zu. Für diese Einschätzung bedarf es keiner hellseherischen Kräfte. Ob wir das Boot vor dem Sturz ins Ungewisse verlassen oder den Weg in ungewisse Tiefen antreten, um am Ende vielleicht zu den Überlebenden zu zählen, hängt von der Kraft und dem Mut ab, den wir in naher Zukunft entwickeln. Sich dabei auf Politiker und Eliten zu verlassen, hieße den Fall in die Tiefe in Kauf zu nehmen." (Zitat aus der Zeitschrift "HUMANE WIRTSCHAFT")




Wir brauchen auch Geld. Nicht sehr viel - vergleichsweise - und keine Angst, hochverehrtes Publikum, von Ihnen nehmen wir weiterhin nur und gerne die freiwillige und für unsere Darbietung von Ihnen für angemessen gehaltene Spende. Aber wir wollten Ihnen noch in diesem Jahr personell und technisch relativ aufwendige Produktionen in Haseldorf zeigen wie unsere "HELDEN" und auch Neues produzieren. Für so etwas brauchen wir Zuschüsse. Kunst brauchte schon immer beinahe immer Zuschüsse und Förderer, Mäzene, die etwas von ihrem Reichtum sinnvoll verwenden möchten, weil sie Freude an der Kunst haben und weil sie Ihr Gewissen beruhigen möchten - vielleicht, oder Sponsoren, die Kunst als Werbung für ihr Produkt benutzen. Öffentliche Fördereinrichtungen verfolgen manchmal eher politische als künstlerische Ziele bei Ihren Entscheidungen, aber das ist dann ja gegenseitig, da auch die Kunst fast immer auf die eine oder andere Weise politisch ist, was eigentlich nichts weiter heißt, als dass sie die Gemeinschaft der Menschen angeht. Wir haben unsere Förderanträge jedenfalls bisher nur an Letztere gestellt. In diesem Jahr haben wir noch nichts bekommen. Damit wollen wir hier nur sagen: Wir bieten Ihnen in diesem zweiten Halbjahr im PANTHEATER IN HASELDORF nichts Neues. Aber das bereits Gezeigte ist doch immer noch sehenswert und wurde auch wirklich noch nicht von Allen gesehen. Also bitte: Schauen Sie auf unseren Spielplan. Und übrigens: Wenn Sie mal mit einer Gesellschaft zu einem bestimmten Termin etwas von uns sehen möchten, melden Sie sich, wir können es vielleicht einrichten. Das gilt selbstverständlich auch weiterhin für Schulen.

Wir zeigen unsere inszenierten Lesungen wieder:

"DIE WIEDERENTDECKUNG DER GEHEIMNISSE"
"DER ACKERMANN UND DER TOD"
"CASANOVA UND DIE GRÄFIN VON PARMA"

Das Tangoduo aus Uruguay "GOTAN@UY" kommt wieder mit noch mehr Piazzolla,

und wir spielen multimedial "SONNE, WASSER UND GELD"
ein Stück, das nicht nur für politisch, umweltpolitisch oder philosophisch Interessierte geeignet ist, sondern auch für Leute, die sich einfach von Geschichten und Bildern unterhalten lassen wollen.

Ach, in dem Zusammenhang noch mal zurück zur Elbe: Kürzlich schien die Sonne und am späten Nachmittag lagen wir am Elbstrand, und da ist es dann unglaublich schön, als wäre man weit gereist. Und man kann in der Elbe baden ohne dass einem das Fleisch von den Knochen fällt. So hieß es früher immer, dass einem das passieren würde, wenn man in der Elbe badete. Man hielt es lange nicht für möglich, aber es hat sich gebessert, man kann baden- in der Elbe! Das ist beinahe märchenhaft. Zwar heißt es, man könne immer noch krank werden davon, das Wasser sei zu undurchsichtig und die Strömung sei gefährlich stark wegen der Elbvertiefung. Aber es geht doch was, die Dinge ändern sich, es kann was besser werden! Also! An die Arbeit, es gibt noch viel zu tun!
Wir wollen echte Märchen.



4.6.2011
Hochverehrtes Publikum!

Jeder Massenmedienkonsument merkt irgendwann, dass man aus den Massenmedien nur noch sehr schwer einen Tropfen Wahrheit filtern kann. Jede Woche wird eine neue Sau durchs Mediendorf getrieben. Die meisten Geschichten sind bis zur Unkenntlichkeit verkürzt, zeitgeistig und ideologisch verfärbt, bleiben halb erzählt, ohne Schluss, ohne eigentlichen Sinn. Wenn man nicht den Mut hat zu dieser manchmal einsamen Unabhängigkeit, die das Selberdenken erzeugt, muss man glauben, was einem vorgesetzt wird. Meist wirre, grausame, sinnlose Märchen. Und das Glauben wird immer schwerer. Man kann ja eigentlich noch nicht einmal mehr wissen, ob einst Männer auf dem Mond spazierten. Man kann es ja nicht beweisen. Die Indizien in den Medien sind widersprüchlich. Man muss es glauben - das eine oder das andere.
Aber warum, wozu? Vielleicht glaubt man an die Männer auf dem Mond nur, weil man Geschichten von siegreichen Abenteurern mag, vielleicht will man lieber nicht daran glauben, weil man die unberührten Geheimnisse schätzt.
Aha, aber da setzt sich Erkenntnis frei. Man mag Abenteuer oder Unberührtheit, oder beides, jedenfalls kann man das an sich selber prüfen, spüren, abwägen, da ist man einer Wahrheit auf der Spur, einer eigenen Wahrheit, dem Stoff, aus dem echte Märchen gemacht werden.

Unsere Aufführungen vom Ackermann und dem Tod und das Tangokonzert unserer Freunde aus Uruguay waren sehr gut besucht.
Der Geheimtipp PANTHEATER IN HASELDORF spricht sich herum, auch dank der sehr aufmerksamen Presse in unserer Region. In unserem Gästebuch steht:
Wir freuen uns in den Uetersener Nachrichten vom Pantheater gelesen zu haben. Wären wir nicht gekommen, wir hätten etwas Wunderbares verpasst.
Aber auch wenn die Presse in dankenswerter Weise über uns berichtet - wir standen früher auch schon im Spiegel und in der Washington Post - das PANTHEATER bleibt ein berühmter Geheimtipp und es bleibt bedeutsam, wenn Sie unsere geheime Spielstätte in Haseldorf persönlich weiterflüstern.

Die nächsten Veranstaltungen sind in der Planung und werden demnächst bekannt gegeben.



8.2.2011
Hochverehrtes Publikum!

Unsere Seite hier war eine Weile lang von Google gesperrt.
Niemand sagt uns warum. Wir können nichts dafür, bestimmt nicht.
Na, nun ist sie wieder für alle erreichbar.

Unsere Mailadressen sind verloren gegangen, das war aber ein Fehler,
den wir selber verursachten. Wenn Sie unsere Infos über unsere Veranstaltungen erhalten möchten,
mailen Sie uns bitte Ihre Adresse, noch einmal oder zum ersten Mal.
Wir passen jetzt besser darauf auf.
info@pantheater.de

Ende Oktober hatten wir in Hamburg die Premiere von
Helden - Die Zukunft ist jetzt.
Über ein Jahr dauerten die Vorbereitungen. Es hatten Alte, Junge, Profis,
Amateure und in den letzten Monaten vor allem Jugendliche aus dem
WENDEPUNKT Projekt in Harburg daran gearbeitet. Das Zustandekommen war
märchenhaft mit allen in Märchen vorkommenden schweren Kämpfen
und dem Sieg am Ende, in echt.
Die Heldengeschichten, die wir in dem Stück erzählen, sind auch echt.
Sowohl die von den politischen Kämpfern, die aus der Hölle der Kerker einer Diktatur
zum gewählten Präsidenten einer Nation oder zu deren Kultusminister werden und
die vom Wahlvolk mit gutem Grund für glaubwürdig gehalten werden, als auch die von
den Jugendlichen, die unsere Gesellschaft für nicht ausreichend angepasst hält, die aber
stolz ihr Leben in eigenen Händen halten. Die Zuschauer waren ergriffen.

Das Gastspiel dann der Barmstedter Speeldeel im Pantheater in Haseldorf war auch
ein Erfolg. Zuschauer und Darsteller mochten unseren "komodigen" Spielort und hatten
ein großes Vergnügen an den beiden -sinnigen- Stücken von Tschechow.


Zuletzt ereignete sich

Der Ackermann und der Tod
von Johannes Tepl

mit Musik von Johann Sebastian Bach.

Am 30.1. hatte unsere erste Aufführung in der Kirche in Haseldorf
tief bewegte und begeisterte Zuschauer.
Einer von Ihnen beschrieb sein Erlebnis so:

Das ist nicht nur Kunst, das ist das Leben.

Es ist Abend.
Ein Mann steht am Hafen unter einer Laterne.
Er ist erschöpft. Er trauert. Der Tod hat ihm seine Frau geraubt.
Begleitet von Bach folgen wir seinem Dialog mit dem Tod.
Er klagt, er klagt an. Warum? Warum ich? Der Tod argumentiert.
Sie nähern sich Gott. Du, der Du bist, was Du bist: Erhöre mich!

Die göttliche Musik Bachs - gespielt von Jörg Dehmel -
und der kraftvolle alte Text Tepls - gesprochen von Michael Leye -
werden Gestalt, werden gegenwärtig, erzählen unsere Einsamkeit.
Und unsere Hoffnung. Wir stimmen zu. So ist es.



Die nächsten Aufführungen finden am Sonntag dem 20.2.um 18 Uhr
und am Sonnabend den 5.März um 19 Uhr 30
im Pantheater in Haseldorf statt, in der Deichreihe 29.





GASTSPIEL am Freitag, 21. Januar 2011 um 19:30
Die Barmstedter Speeldeel bringt -Der Bär- Een Beest vun Keerl- und -Een
Heiratsandrag- von Anton Tschechow auf die Bühne.
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